Mit “can you feel it, it is here!” (Kannst du es fühlen, es/sie (die WM) ist hier) wirbt die SABC, die alle Spiele der WM in Südafrika überträgt. Auch nach dem Ausscheiden der südafrikanischen Mannschaft bin ich sicher, dass der Spirit der WM auch weiterhin bestehen bleiben wird.
Nur wenige glaubten an ein Fußball-Wunder, als Bafana Bafana (dt.: die Jungs) heute gegen die Equipe Tricolore antrat: Unüberwindbar schien die Hürde von fünf aufzuholenden Toren gegenüber Mexiko, die die südafrikanische Nationalmannschaft zu überwinden hatte – dies schien auch gegen Domenechs Chaos-Truppe kaum machbar.
Was sich den Zuschauern weltweit dann aber bot, hatte mit der Hoffnungslosigkeit und düsteren Gedanken an ein Südafrika ohne WM-Sieg nichts mehr zu tun. Vielmehr entfachte Bafana Bafana ein Feuerwerk der Leidenschaft, mit Bestnoten in Einsatz, Kampf und Spielfreude. Zur Halbzeit hätte es locker und leicht 3:0, wenn nicht sogar 4:0 stehen können. Die Franzosen gingen mit dem 2:0 Halbzeitstand gut bedient in die Pause. Gegen den überfordert und lustlos agieren ehemaligen Weltmeister nährte die Elf um Pienaar und Shabalala die Hoffnung auf eine Sensation. Uruguay leistete darüber hinaus durch den Führungstreffer gegen Mexiko die erhoffte Schützenhilfe.
In unserem Masifunde World Cup Studio herrschte eine Stimmung, wie ich sie bisher noch nicht erlebt habe – dies übertraf sogar die Erfahrungen vom viel umjubelten Eröffnungsspiel. Mehr als 150 Kinder und Jugendliche feierten ausgelassen, als das 1:0 erzielt wurde – plötzlich bekam die Hoffnung neue Nahrung, dass doch noch alles gut ausgehen könnte. Kurz darauf die rote Karte für die Franzosen, dann das 2:0 – das WM-Studio glich einem Volksfest. Als dann das 3:0 wegen einer Abseitsstellung abgepfiffen wurde, waren sich alle sicher, dass das abgebrannte Feuerwerk in der zweiten Halbzeit seine Fortsetzung finden würde. Das 2:1 mag man meinen, erstickte dann die Stimmung im Keim. Doch ganz anders: Auch wenn man einem Weiterkommen in die nächste Runde nicht mehr traute, brannten in der 90. Minute nochmal laute Gesänge auf: Die Kids sprangen auf, sangen und tanzten, das Youth Centre im Township war von einer sagenhaften Atmosphäre eingeschlossen, die es so bei einem deutschen Ausscheiden in Deutschland sicher nicht geben würde.
Das es am Ende nicht geklappt hat, mag zwar weh tun, doch so wie ich die Reaktionen der Fans hier erlebt habe, hat es eine erneute Trendwende in der Stimmungslage gegeben: Südafrika hat sich würdevoll von der Fußball-Bühne verabschiedet und hat gezeigt, dass es an guten Tagen jeden schlagen kann. Dies haben auch die Fans so aufgenommen: Es gab Applaus statt Enttäuschung, Jubel über den Sieg gegen einen (ehemals) Großen des Weltfußballs. Nun ist das südafrikanische Volk in der Pflicht, ein guter WM-Gastgeber zu bleiben. Im Radio wurde nach dem Spiel dazu aufgefordert, ab jetzt nochmal alles zu geben – schließlich schaue noch immer die ganze Welt gebannt auf das Runde Leder, welches in Südafrika von Strafraum zu Strafraum gekickt wird.
Darüber hinaus besteht weiterhin die Hoffnung, dass eine andere afrikanische Nation in die Bresche springt und zum ganz großen Coup ausholt: Ein WM-Sieg eines afrikanischen Landes am 11. Juli ist zwar aufgrund der bisherigen Ergebnisse durchaus unwahrscheinlich, die Hoffnung stirbt jedoch bekanntlich zu letzt. Wollen wir nur hoffen, dass Ghana morgen gegen Deutschland nicht den ersten Schritt gehen wird.
Ich bin stolz auf das, was die südafrikanische Nationalmannschaft heute geleistet hat – noch mehr bewegt haben mich aber die Reaktionen der Leute, mit denen ich nach dem Spiel gesprochen habe. Mit einem weinenden Auge, aber auch mit ganz viel Freude und Stolz betrachtet man die WM in Südafrika, die nach dem Scheitern der Heimmannschaft auch für die Südafrikaner noch lange nicht vorbei sein wird!
Darüber hinaus noch einige Empfehlungen:
Im ARD-Nachtmagazin ist kürzlich ein Beitrag über unser WM-Studio erschienen:
“Die WM – Ein Wintermärchen?” Ist ein reizender Blog, dessen Macher uns in Walmer Township besucht haben und unsere Kids ins Stadion begleitet haben. Die Ton-Bild-Reportage gibt es bei Vimeo. Bei Facebook freuen sich die beiden Macher über jeden in ihrer Gruppe “WM 2010 – ein Wintermärchen?”.